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Kalender A4 297x210 Web23In die Toilette gehört nur Recycling-Papier!

Nach Angaben des WWF wird fast jeder zweite industriell gefällte Baum weltweit zu Papier verarbeitet - damit ist die Papierindustrie eine Schlüsselindustrie, wenn es um die Zukunft unserer Wälder geht. Gefertigt werden daraus Notizblöcke, Zeitungen, Zeitschriften, Geschenkspapier, Verpackungen, Küchentücher oder auch Toilettenpapier.

Bei letzterem wiegen die negativen Auswirkungen auf die Umwelt allerdigns besonders schwer, denn Toilettenpapier kann nicht wieder recycelt werden, da es nach nur einmaliger Nutzung bereits dem Gang der Abflussrohre folgt. Es ist somit das kurzlebigste Papier mit dem schmutzigsten Schicksal und somit keinesfalls wert, aus Frischfasern hergestellt zu werden.

Leider greifen nur die wenigsten Konsumenten heutzutage zu recyceltem Toilettenpapier, obwohl dieses im Vergleich zu Frischfaser-Toilettenpapier laut Greenpeace klare Vorteile bietet: bis zu 60 Prozent weniger Energie, bis zu 70 Prozent weniger Wasser, deutlich weniger Abfälle und CO2-Emissionen.

Es ist also nicht schwierig, am stillen Örtchen umweltbewusst zu sein! Statt zu normalem Klopapier greifen wir in Zukunft einfach zu Recycling-Toilettenpapier und schützen somit unsere Wälder und sparen jede Menge Wasser und Chemikalien bei der Herstellung. Dafür müssen wir nicht einmal unsere alten Gewohnheiten umstellen, denn ökologisches Toilettenpapier gibt es überall im Handel zu kaufen und ist mittlerweile genau so weich wie jedes andere.

Weiterführende Informationen zur Papierproduktion

Deutschland verbraucht nach den USA, China und Japan die viertgrößte Menge an Papier. Pro Person werden in Deutschland jährlich rund 236 Kilogramm Papier verbraucht. Das entspricht 640 Gramm pro Tag – das ist die Papiermenge eines Harry-Potter-Bandes. Im EU-Durchschnitt liegt der Verbrauch pro Kopf und Jahr bei 187 Kilogramm.

Der gesamte jährliche Papierverbrauch in Deutschland liegt bei rund 19 Millionen Tonnen. Knapp die Hälfte davon geht in die Bereiche Presse und Druck und Büromaterial. 7,7 Millionen Tonnen werden für Verpackungen benutzt und 1,2 Millionen Tonnen für Hygienepapiere wie Toilettenpapier und Küchenrollen.

Allein von DIN A 4-Blättern werden rund 800.000 Tonnen pro Jahr verbraucht. Um diese Menge zu transportieren bräuchte es einen Güterzug mit 40.000 Waggons, er hätte eine Länge von 600 Kilometern.

In Schulen werden nach Angaben von Recycling-Initiativen pro Jahr bis zu 200 Millionen Schulhefte benutzt, davon sind schätzungsweise nur fünf bis zehn Prozent aus recyceltem Papier. Außerdem wird in Schulen Papier für Druck- und Kopiergeräte gebraucht.

Waldeinschlag für die Papiererstellung

Die konventionelle Papierherstellung nutzt Holz als Faserrohstoff, hierfür werden Bäume gefällt. 2007 berichtete die UN-Einrichtung FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations), dass in den vergangenen 15 Jahren weltweit eine Waldfläche von mehr als der dreifachen Größe Deutschlands verloren gegangen sei. Weltweit landet jeder fünfte eingeschlagene Baum im Papier.

Etwa 17 Prozent des zur Herstellung von Papier verwendeten Holzes stammt laut dem Worldwatch Institute aus Urwäldern. Auch Baumplantagen für die Holzgewinnung sind nicht umweltfreundlich, denn hierfür braucht es große Flächen. In den Plantagen werden zudem oft Monokulturen gepflanzt. Diese laugen die Böden aus und machen intensive Pestizid- und Düngereinsätze nötig.

Weitere Probleme ergeben sich aus dem großen Verbrauch von Wasser und Energie. Die Herstellung von 100 Kilogramm Papier aus Holz setzt 110 Kilogramm CO2 frei und benötigt 300 Kilogramm Holz, 5.000 Liter Wasser und 1.000 Kilowattstunden Energie. Die Herstellung von 100 Kilogramm Recycling-Paper hingegen setzt 90 Kilogramm CO2 frei und benötigt 110 Kilogramm Altpapier, 2.000 Liter Wasser und 400 Kilowattstunden Energie.

Papierherstellung und Recycling-Papier

Als Basis für die Papierherstellung dient immer ein Brei aus Fasern und Wasser. Gut geeignet als Faserrohstoff sind Holz oder Altpapier. Man unterscheidet Primärfaserstoffe bzw. Frischfaserstoffe, die erstmals in der Produktion eingesetzt werden sowie Sekundärfaserstoffe, die recycelt werden. Letztere werden nach der Nutzung erneut in den Produktionsprozess zurückgeführt, sodass ein Kreislauf entsteht.

Bei der Verwendung von Holz müssen die Fasern aufwendig herausgelöst werden. Das verbraucht große Mengen an Energie, Chemikalien und Wasser. Die Gewinnung von Fasern aus Altpapier ist sehr viel einfacher und spart Energie und Wasser.

Viele Papierprodukte enthalten sowohl Fasern aus Altpapier als auch Frischfasern mit unterschiedlich hohen Anteilen. Verpackungsmaterialien sind heute zu fast 100 Prozent aus Altpapier. Der Anteil bei grafischen Papieren liegt bei 50 Prozent. Grafische Papiere umfassen Kopierpapier, Druckerpapier und auch Schulhefte.

Der Altpapiereinsatz hat sich in den letzten 20 Jahren von 49 auf 71 Prozent erhöht. Dies führte zu einer deutlichen Verringerung der Umweltbelastung durch die Papierherstellung.

Die Nutzung von Recycling-Papier bleibt auch eine Geschmackssache. Recycling-Papier ist zunächst grauer als andere Papiersorten, das liegt vor allem an der Bedruckung des Altpapiers. Die Farbreste aus dem Altpapier zu entfernen ist sehr aufwendig. Manche Produkte aus Recycling-Papier sind auch teurer.

Woher kommt das Holz?

Rund 80 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Primärfasern stammen aus Importen. Die Bäume für das hier benötigte Papier werden im Ausland gefällt. Die wichtigsten Lieferanten für Zellstoff und Papier sind die skandinavischen Länder, insbesondere Finnland und Schweden. Diese wiederum importieren zum Teil selbst Holz aus Russland. Dort werden auch Urwälder zur Holzgewinnung eingeschlagen. 18 Prozent des in Deutschland verbrauchten Zellstoffs wird aus Brasilien und Indonesien importiert. Zwei Länder, in denen der Urwaldbestand in dramatischem Ausmaß schwindet.

Die Altpapiertonne und Recycling-Papier

In Deutschland werden fast 80 Prozent des Papiers nach Gebrauch wieder eingesammelt und überwiegend wieder verwertet. Die Verwertungsquote liegt bei etwa 66 Prozent. Diese Quote ließe sich steigern, vor allem im Bereich Druck- und Büropapiere.

Angesichts der bereits intensiven Nutzung von Altpapier und des großen Papierverbrauchs in Deutschland liegt es nahe, die Umweltbelastung durch Papiersparen zu verringern. Ansätze dazu gibt es viele – es gibt bereits Kampagnen gegen unnötige Aussdrucke von E-Mails. Druck- und Schreibpapier kann zudem in den meisten Fällen von beiden Seiten genutzt werden bevor es in die Papier-Tonne kommt.

Umweltsiegel

Ein bekanntes Umweltzeichen für Recycling-Papier ist der Blaue Engel. Trägt z.B. das Toilettenpapier einen Blauen Engel mit der Umschrift "...weil aus 100 % Altpapier", dann wurden für die Herstellung keine Frischfasern eingesetzt. Über das Umweltzeichen "Blauer Engel" entscheidet eine Jury, die sich aus Vertretern verschiedener Organisationen zusammen setzt, aus den Bereichen Umwelt, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirchen. Das soll gewähren, dass Entscheidungen unabhängig getroffen werden.

 

 

Quellen-Nachweis:

1) edeos- digital education - Bildung und Informationsvermittlung durch möglichst barrierefreie, didaktisch fundierte und zielgruppenorientiert Inhalte und Produkte: Creative Commons Lizenz CC-BY-SA - "Die originalen Inhalte wurden durch zusätzliche Informationen ergänzt und adaptiert."

2) Greenpeace.de - Am „Blauen Engel“ führt kein Weg vorbei!(08/2013): https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20130830-greenpeace-factsheet-toiletten-recyclingpapier.pdf, Abgerufen 07.12.2016

3) WWF.de  - Papierverbrauch - Zahlen und Fakten: http://www.wwf.de/themen-projekte/waelder/papierverbrauch/zahlen-und-fakten; Abferufen 03.12.2016