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Kalender A4 297x210 Web11Verbessern wir unsere Ernährung, verbessern wir die Welt!

Die Weltbevölkerung wächst rasant an - Schätzungen gehen davon aus, dass bis ins Jahr 2050 neun Milliarden Menschen ernährt werden müssen. Eine Prognose, die uns zu denken geben sollte, da bereits heute Hungersnot als das größte Gesundheitsrisiko weltweit gesehen wird und jährlich mehr Menschen daran sterben, als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen.

Der voran schreitende Klimawandel führt dazu, dass die verfügbaren Nahrungsmittelkapazitäten durch Erosion, Dürren und Verwüstung weiter drastisch sinken. Ein zusätzliches Problem mit großer Tragweite besteht aber in dem weltweit steigenden Konsum von Fleischprodukten, da für die Herstellung einer Kalorie Fleisch umgerechnet 2 bis 7 pflanzliche Kalorien verfüttert werden müssen. Hinzu kommt, dass in jedem Kilo Rindfleisch zusätzlich rund 155 Liter Wasser stecken!

Bereits heute werden rund 70 Prozent aller Agrarflächen der Erde für die Fleischproduktion beansprucht. Die Folgen sind fatal: wertvolle Regenwälder gehen verloren, Böden und Gewässer werden mit Pestiziden belastet und die Preise für Grundnahrungsmittel steigen aufgrund knapper werdender Agrarflächen. Unser globales Ernährungssystem ist die größte Belastung für unsere Umwelt und führt zu Artensterben, Umweltverschmutzung, Wasserknappheit, zu vermeidbaren Krankheiten, Kinderarbeit, Armut und Ungerechtigkeit.

Wir brauchen eine dezentrale, faire und nachhaltige Entwicklung des Agrarsektors! Vor allem müssen wir aber damit beginnen, mit unserem Verhalten einen Unterschied zu machen, indem wir beispielsweise weniger Fleisch essen und nicht so viele Nahrungsmittel wegschmeissen! Get active - NOW!

Weiterführende Informationen zum Welternährungssystem

Wie funktioniert eigentlich unser System der Welternährung? Was sind die Probleme? Und was kann getan werden, damit das System besser funktioniert?

Weltweit werden Nahrungsmittel produziert, verarbeitet, transportiert und konsumiert. Damit werden die rund 7,5 Milliarden Erdbewohner versorgt. Es gibt etwa 450 Millionen Kleinbauern, vor allem in den Entwicklungsländern. Die stark globalisierte Agrarindustrie dagegen hat nur wenige Akteure: Die vier größten Getreide- und Sojahändler kontrollieren etwa 75% des Weltmarktes. Kleinbauern, Industrie, Händler und Konsumenten sind in einem komplexen Geflecht miteinander verbunden:

Manche Kleinbauern liefern ihre Produkte an Großkonzerne. Häufig konkurrieren sie aber auch um lokale und globale Märkte oder um zunehmend knappe Ressourcen wie Wasser und fruchtbare Böden. Die Regeln für dieses System werden von den Märkten und von internationalen Organisationen wie der WTO bestimmt.

Probleme

Es gibt eine ganze Reihe von Problemen: Lange wurde angenommen, eine Abkehr von kleinbäuerlichen Strukturen, hin zu großflächigen Anbaumethoden und Öffnung für den Weltmarkt könne die Ernährungslage effizienter sichern. Doch langfristig senken die großflächigen und chemieintensiven Monokulturen die Bodenqualität. Viele Kleinbauern haben ihre Ackerflächen aufgegeben und sind in die Städte gezogen. Das Wissen um traditionelle Anbaumethoden und Pflanzensorten sinkt.

Diese Großplantagen werden immer häufiger von großen, internationalen Investoren betrieben. Sie kaufen oder pachten große Flächen vor allem in Afrika. Dieses sogenannte Land Grabbing betrifft jedes Jahr eine Fläche von der Größe Frankreichs. Das Welthandelssystem benachteiligt die Kleinbauern. Ein Beispiel: Die Europäische Union subventioniert ihre Agrarwirtschaft stark. Die Unternehmen können ihre Produkte auf dem Weltmarkt sehr günstig anbieten. Zölle, Produktstandards und andere Handelshemmnisse schützen hingegen den Europäischen Markt vor Kleinbauern aus den Entwicklungsländern.

Schwellenländer wie Indien oder China entwickeln sich wirtschaftlich. Auch die Essgewohnheiten nähern sich immer mehr denen in den Industrieländern an. Vor allem wird mehr Fleisch gegessen, in China zum Beispiel 5mal so viel wie 1980. Das Problem dabei: Für die Herstellung einer Kalorie Fleisch müssen 2 bis 7 pflanzliche Kalorien verfüttert werden. Flächen, auf denen früher Nahrungsmittel angebaut wurden, sind nun mit lukrativeren Exportgütern wie Kaffee und Baumwolle bestellt. Oder es werden Energiepflanzen angebaut - für Biosprit.  
 
Investoren kaufen Nahrungsmittel an den Börsen. Sie spekulieren darauf dass die Produkte teurer werden und treiben so die Preise künstlich in die Höhe. Es entstehen Preisschwankungen, die von kleinen Produzenten schlecht aufgefangen werden können. Und: Ein Drittel aller weltweit produzierten Nahrungsmitteln verderben bei Transport und Lagerung - oder sehen nicht gut genug aus für die Verbraucher in den Industrieländern. Sie landen einfach im Müll.

Es gibt also viele strukturelle Probleme. Die Rahmenbedingungen werden sich in Zukunft wohl weiter verschlechtern: Die Weltbevölkerung wächst rasant. Und vor allem in den Gebieten, die am stärksten von Nahrungsmittelknappheit betroffen sind. Bis 2050 müssen 9 Milliarden Menschen ernährt werden. Der Klimawandel senkt die Kapazitäten durch Erosion, Dürren und Verwüstung. Hinzu kommen Übernutzung und die Bebauung großer Flächen. Experten gehen davon aus, dass in den meisten Entwicklungs- und Schwellenländern die Erträge zurückgehen werden.


Handlungsoptionen

Es gibt verschiedene Ansätze das Welternährungssystem zu stabilisieren. Eine neue „Grüne Revolution“ soll die Erträge vervielfachen – die Gentechnik. Doch Die bisherige Forschung ist weniger auf eine Verbesserung der Ernährungslage ausgerichtet. Im Mittelpunkt stehen Resistenzen gegen Herbizide, um mehr Unkrautvernichtungsmittel einsetzen zu können. Die neuen genhybriden Sorten sind außerdem meist patentiert und bringen so die Kleinbauern in Abhängigkeit gegenüber den großen Saatgutproduzenten.

Andere Maßnahmen sind vielversprechender: Zugang und Konkurrenzfähigkeit der Kleinbauern an den globalen Märkten müssen verbessert werden.  Gerade die Europäische Union könnte hier durch einen Wandel ihrer Agrarpolitik vorangehen. Es muss mehr Wert auf die Entwicklung ländlicher Räume gelegt werden. Dazu gehört: Die Förderung von Kleinbauern bei der Verteilung von Bodenrechten, Investitionen in die Infrastruktur, in die Bildung und die Vermittlung von Wissen zu nachhaltigen Anbaumethoden.

Jeder einzelne Konsument hat die Möglichkeit, mit seinem Verhalten einen Unterschied zu machen. Zum Beispiel indem er weniger Fleisch isst und nicht so viele Nahrungsmittel wegschmeißt. Es ist höchste Zeit umzusteuern. Eine dezentrale, faire und nachhaltige Entwicklung des Agrarsektors ist wichtig. Nur so kann auch eine Bevölkerung von 9 Milliarden Menschen  langfristig ernährt werden.

 

 

Lehrvideo - Welternährung

 

Quellen-Nachweis:

1) edeos- digital education - Bildung und Informationsvermittlung durch möglichst barrierefreie, didaktisch fundierte und zielgruppenorientiert Inhalte und Produkte: Creative Commons Lizenz CC-BY-SA - "Die originalen Inhalte wurden durch zusätzliche Informationen ergänzt und adaptiert."