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Kalender A4 297x210 Web21Kombinierter Verkehr als Voraussetzung für nachhaltige Mobilität!

Augrund des Ausbaus öffentlicher Verkehrsmittel, der Entwicklung von immer energiesparenderen Fahrzeugen und der Förderung intelligenter Nutzungsideen für Auto und Fahrrad verändert sich die individuelle Mobilität und mit ihr auch die Möglichkeit für viele Menschen, einen Beitrag zu mehr Umweltschutz und weniger Feinstaubbelastung zu leisten.

Durch kombinierten Verkehr sollen Staus auf den Straßen, feinstaubbelastete Innenstädte und stinkende Verbrennungsmotoren bald der Vergangenheit angehören und die Grundlage für eine nachhaltige Mobilität geschaffen werden. Dabei setzen nachhaltige Verkehrskonzepte einerseits auf die intelligente und flexible Verknüpfung von Auto, Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln und andererseits auf die Vermeidung von unnötigen Fahrten, Reisen und Transporten.

Die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln in Kombination mit anderen Angeboten wie Car- oder Ridesharing sind gegenüber der Nutzung des privaten PKWs nicht nur umweltfreundlicher, besser für die Gesundheit, wirtschaftlicher und sicherer. Die Fortbewegung ist meist auch sehr viel bequemer, da man sich nicht um den Verkehr kümmern muss, nebenbei lesen oder arbeiten kann, keine  Scheiben freikratzen muss und auch keine Parkplatzsuche notwendig wird. 

Wir können viel beitragen, indem wir nicht aus reiner Gewohnheit in unser Auto steigen, sondern unser Verkehrsmittel bewusst und anlassbezogen auswählen und mit anderen umweltfreundlich kombinieren!

Alternative Mobilitätslösungen – von Carsharing bis Lastenrad

Neben den Vorteilen des Autofahrens tragen auch Gewohnheiten dazu bei, dass viele Wege mit dem eigenen PKW zurückgelegt werden, obwohl es zum Teil attraktivere Alternativen gibt. Für viele kurze Strecken eignen sich Fahrräder sehr oder sogar der Weg zu Fuß. Für weitere Strecken kommen vor allem öffentliche Verkehrsmittel in Betracht oder Modelle der gemeinsamen Nutzung eines PKWs wie das Carsharing oder das Ridesharing.

Carsharing bietet die Möglichkeit, ein Auto mit seinen Vorteilen zu nutzen, aber einige der Nachteile zu vermeiden. Grundprinzip ist, dass sich mehrere Personen ein Auto teilen und es nur nutzen, wenn sie es tatsächlich brauchen. Ein Carsharing-Auto ersetzt auf diese Weise mehrere private PKW. Das Prinzip hilft nicht nur, Ressourcen zu schonen, sondern ist für die Nutzer oft günstiger als ein eigenes Auto. Insbesondere in Großstädten boomt das "Carsharing", weil immer mehr Menschen sich dafür entscheiden, Autos gemeinsam zu nutzen statt sich ein eigenes anzuschaffen. Über Angebote wie "Car2Go" , "DriveNow" oder Internetnetzwerke wie "carpooling.com" kann man sich genau dann ein Auto ausleihen, wenn es benötigt wird – und sich auch gleich die passende Größe aussuchen. Das ist für viele Menschen kostengünstiger als ein eigenes Auto, das oft in der Garage steht. Und sie sind so auch flexibler: ein kleines Auto für Stadtfahrten, ein Kombi oder Transporter für lange Fahrten oder große Lasten.

Im Zuge des Ridesharing werden meist über Handy-Apps Mitfahrgelegenheiten und Fahrgemeinschaften vermittelt, die verschiedene Vorteile für Fahrer und Mitfahrer mit sich bringen: Hierzu gehören einfachere und zeitlich praktischere Reiseverbindungen, günstigere Fahrmöglichkeiten für den Beifahrer als alternativ mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Kostenersparnisse für den Fahrer durch die Kostenteilung mit dem Mitfahrer, Unterhaltung während der Fahrt, Knüpfen von Kontakten und zu guter Letzt ergibt sich durch die Ausnutzung der Fahrzeugkapazität auch eine günstigere Ressourcennutzung im Sinne des Umweltschutzes.

Ein weiteres zentrales Element nachhaltiger Mobilität ist das Fahrrad. Dieses Verkehrsmittel hat unter manchen Umständen große Vorteile. So ist es für Kurzstrecken mit weniger als fünf Kilometern Länge nachweislich das schnellste Verkehrsmittel. Trotzdem werden auch 40 Prozent dieser kurzen Wege mit einem PKW oder einem Motorrad zurückgelegt. Bei Strecken unter zehn Kilometern sind es sogar 75 Prozent der Wege.

Ein Grund dafür, dass so viele Kurzstrecken mit dem Auto zurückgelegt werden, ist die Möglichkeit, große oder kleine Dinge im Kofferraum oder auf den Rücksitzen zu transportieren. So sind zwei Drittel der Verkehrsleistung auf Einkäufe mit Autos zurückzuführen. Doch auch für manche Transporte kann das Fahrrad eine Alternative darstellen. Postdienstleister nutzen Lastenräder, zunehmend mit Elektro-Hilfsantrieb. Auch in anderen Branchen, wie zum Beispiel bei Lieferdiensten und mobilen Verkaufsständen, wird das Lastenrad eingesetzt. Mittlerweile gibt es leistungsfähige Modelle, die bis zu 300 Kilogramm transportieren können, also weit mehr als einen Wocheneinkauf.

Fahrräder mit elektrischem Hilfsantrieb, sogenannte E-Bikes oder Pedelecs können auch für etwas längere Strecken bis zu zehn oder 20 Kilometern genutzt werden. Die Tretkraftunterstützung macht sie für Senioren, körperlich beeinträchtigte Menschen oder in bergigen Regionen interessant. Für besonders schnelle Pedelecs gelten im Straßenverkehr jedoch andere Vorschriften als für Fahrräder. Unter Umständen braucht man zum Beispiel eine Fahrberechtigung beziehungsweise einen Mofaführerschein.

Ein alternatives Verkehrskonzept: Infrastruktur und Mobilitätsverhalten

Der Vergleich einzelner Verkehrsmittel macht deutlich, dass kein Verkehrsmittel alle Bedürfnisse gleichzeitig befriedigen kann und frei von Nachteilen ist. Daher gehen nachhaltige Verkehrskonzepte über einen Vergleich der Umweltbilanzen weit hinaus. Sie zielen darauf, die gesellschaftlich notwendige und wünschenswerte Mobilität so umwelt- und sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Dies ist nur mit einer dauerhaften Veränderung des Mobilitätsverhaltens möglich.

Für die Umsetzung eines nachhaltigen Mobilitätskonzepts müssen sowohl umweltpolitische und soziale als auch verkehrspolitische und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden. Denn zum einen müssen alternative Verkehrsmittel zur Verfügung stehen, zum anderen muss gleichzeitig ihre Akzeptanz gefördert werden.

Das Beispiel Fahrrad zeigt, was dies konkret bedeuten kann. So wünschen sich laut Fahrradmonitor 2013 viele Menschen den Bau neuer Radwege, eine bessere Beleuchtung für Radwege sowie mehr Orte zum sicheren Abstellen des Fahrrads. Auch Maßnahmen, die eine bessere Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern fördern, werden von vielen Menschen als wichtig angesehen. Bisher ist mangelnde Sicherheit neben großen Entfernungen der Hauptgrund für viele Menschen, auf das Radfahren zu verzichten. Der Ausbau einer sicheren Fahrradinfrastruktur kann somit in vielen Städten und Gemeinden einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilität leisten.

In europäischen Metropolen wie Paris und London sind Fahrradverleihsysteme schon seit einigen Jahren äußerst erfolgreich. Aber auch in deutschen Großstädten sorgen beispielweise "nextbike", "Call a bike" und andere Verleihe dafür, dass etwa nach einer Zugfahrt in eine andere Stadt der letzte Weg zum Zielort umweltfreundlich zurückgelegt werden kann. So werden zunehmend unterschiedliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn im Personennahverkehr mit Verleihsystemen kombiniert.

Jederzeit umsteigen

Zentrales Merkmal nachhaltiger Mobilitätskonzepte ist, dass sie die Kombination umweltverträglicher Verkehrsmittel ermöglichen. Ein Umstieg auf das jeweils passende Verkehrsmittel wird so leicht wie möglich gemacht. Zum Beispiel bieten Nahverkehrsunternehmen zunehmend Möglichkeiten an, das Fahrrad in Bussen und Bahnen mitzunehmen – in speziellen Abteilen oder auch Anhängern. Eine weitere Möglichkeit zur Kombination von Bahn und Rad sind Fahrradverleihsysteme, die in manchen Städten unter anderem von der Deutschen Bahn betrieben werden. Ebenfalls dazu gehören Preis- und Buchungssysteme, die gut an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst sind.

Im ländlichen Raum stoßen nachhaltige Verkehrskonzepte wegen der größeren Entfernungen und der dünneren Nahverkehrsnetze auf andere Herausforderungen als in Städten. Doch auch hier entwickeln sich Lösungen. So kombiniert ein Pilotprojekt in Nordhessen öffentlichen Nahverkehr mit privatem Carsharing. Autofahrer bieten dabei Strecken, die ohnehin gefahren werden, als Teil des Liniennetzes an und nehmen Mitfahrer an den ÖPNV-Haltestellen mit.

Begeisterung für autofreie Städte

Einzelne Aktionen und Projekte zeigen immer wieder, dass die Reduzierung des Autoverkehrs bei vielen Menschen auf große Zustimmung stößt, wenn erlebbar wird, was die Vorteile sind. So werden in Paris seit einigen Jahren im Sommer Teile der Uferstraßen an der Seine für den Autoverkehr gesperrt – zur Begeisterung vieler Innenstadtbewohner und Touristen. Die extremen Smog-Werte im Winter des Jahres 2016 haben die Akzeptanz für die Begrenzung des Autoverkehrs in Paris gesteigert.

In Köln wurde im September 2013 ein großer Teil des Bezirks Ehrenfeld am sogenannten "Tag des guten Lebens" für den Autoverkehr und zum Teil sogar von parkenden Autos geräumt – erstmals nicht für eine Großveranstaltung, sondern ausdrücklich, um Freiraum zu schaffen. Anwohner konnten die Straßen für eigene kleine Aktionen wie spontane Konzerte nutzen oder einfach die Ruhe einer autofreien Nachbarschaft genießen. Der "Tag des guten Lebens" lockte Zehntausende auf die Straßen und fand ein derart positives Echo, dass seitdem jährlich Nachfolgeaktionen in verschiedenen Kölner Bezirken geplant sind.

Visionen

Mehr Fahrräder auf den Straßen, mehr öffentliche Verkehrsmittel, dafür weit weniger Autos – und wenn, dann nur moderne Elektromobile oder Hybrid-Fahrzeuge. Das ist die Vision für eine nachhaltige Mobilität im Jahr 2050, die Forscher des Fraunhofer-Instituts 2011 der Öffentlichkeit präsentierten. Die Realität im Jahr 2016 sieht noch ganz anders aus: Die Zahl der Flugzeuge, PKWs und LKWs ist in den letzten Jahren gestiegen – unter anderem deshalb, weil immer mehr Waren aufgrund der Globalisierung über größere Strecken zu ihrem Bestimmungsort transportiert werden müssen. Die Folge: Für etwa ein Viertel der Treibhausgasemissionen in Europa ist schon heute der Verkehr verantwortlich. Und dieser Anteil wird wachsen. Prognosen zufolge soll der Güterverkehr bis 2030 um 40 Prozent, bis 2050 um 80 Prozent zunehmen. Der Personenverkehr würde zudem im Vergleich zum Jahr 2005 bis 2050 um das Eineinhalbfache steigen.

Hier steuert die Europäische Union bereits heute gegen: Bis 2050 soll der Kohlendioxid-Ausstoß nur noch ein Fünftel im Vergleich zu 1990 betragen. Erklärtes Ziel ist ein "nachhaltiger Verkehrssektor", mit energieeffizienteren Fahrzeugen und Menschen, die häufiger das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen als das eigene Auto. Dazu soll auch die europaweite "Woche der Mobilität" (European Mobility Week) motivieren. Sie ist eine seit 2002 jährlich stattfindende Kampagne, mit der die Europäische Kommission bei den Kommunen und ihren Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und für Investitionen in eine nachhaltige Verkehrsinfrastruktur wirbt. Im Jahr 2016 stand die Woche unter dem Motto "Mobilität".

Gesetze und Richtlinien für einen sauberen Verkehr

Die Europäische Union hat eine Reihe von Gesetzen und Vorschriften erlassen, die den Verkehrssektor klima- und umweltfreundlicher machen sollen. Darunter etwa EU-Strategien zur Förderung sauberer und energieeffizienter Straßenfahrzeuge oder zur Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene. Beispielsweise schreiben EU-Verordnungen künftig "grüne Reifen" vor, die durch besondere Kautschuk-Mischungen den Rollwiderstand reduzieren. Der Mehraufwand an Kraftstoff durch diesen Widerstand macht fast ein Viertel des Kohlendioxid-Ausstoßes von Fahrzeugen aus. Allein durch das sogenannte EU-Reifen-Label sollen bis 2020 Emissionen in Höhe von 780 Millionen Tonnen eingespart werden.

Verbraucherinnen und Verbraucher können viel beitragen, indem sie nicht aus reiner Gewohnheit in ihr Auto steigen, sondern ihr Verkehrsmittel bewusst und anlassbezogen auswählen und mit anderen umweltfreundlich kombinieren. Aber auch bei Einkaufsentscheidungen lässt sich ein wichtiger Beitrag zu nachhaltiger Mobilität leisten: Beispielsweise durch saisonalen Einkauf, wodurch vermieden wird, dass zum Beispiel Obst im Winter aus Südamerika importiert werden muss.

 

 

 

Quellen-Nachweis:

1) Umwelt im Unterricht - Umwelt im Unterricht unterstützt die Erstellung von Bildungsmaterialien unter offenen Lizenzen im Sinne der UNESCO: Creative Commons Lizenz CC BY-SA 4.0 - "Die originalen Inhalte wurden durch zusätzliche Informationen ergänzt und adaptiert."